Im Sommer 2025 startete unsere erste IndiGym-­Klasse. Anna Mettauer, Prorektorin am Gymnasium, gibt Auskunft zum neuen personalisierten Lehrgang. 

Wie zeichnet sich das neue Angebot aus? 

Mit dem IndiGym haben wir einen gymnasialen Lehrgang geschaffen, der zur kantonalen, eidgenössisch anerkannten Matura führt. Dauer, Lehrplan, Promotionsbedingungen und Lehrpersonen sind die gleichen wie im regulären Ausbildungsgang. IndiGym individualisiert das weitgehend selbständige Lernen in Bezug auf das Wann, das Wo und das Wie. IndiGym begleitet und strukturiert das Lernen durch ein regelmässiges Coaching und angepasste Lernmaterialien. Inspiriert wird IndiGym durch unsere pädagogische Erfahrung und die Vision eines Lernens der Zukunft. An wen richtet sich IndiGym? 

IndiGym richtet sich an Lernende, denen aus verschiedenen Gründen ein Lernen ausserhalb der starren, stark strukturierten, intensiven Unterrichtszeiten entgegenkommt. Der hohe Anteil an Selbstlernzeit ermöglicht ihnen, Zeit, Intensität und Ort individuell zu gestalten. Wer sich – durch das Lerncoaching unterstützt und begleitet – gerne selbst organisiert und selbständig arbeitet, der findet im IndiGym die beste Lernumgebung für einen erfolgreichen Weg zur Maturität.  

Was schätzen die Lernenden am individualisierten Gymnasium? 

Sie schätzen das IndiGym aus unterschiedlichen Gründen: Der Lehrgang bietet zum Beispiel die Möglichkeit, ein intensives Sportprogramm mit dem gymnasialen Ausbildungsgang zu verbinden. Zahlreiche Lernende schätzen es, dass das IndiGym mit den individualisierten Lernformen Rücksicht auf ihre je unterschiedliche Konstitution nimmt und so einen ausgeglicheneren Energiehaushalt ermöglicht. Auch das «Blended Learning», die durchdachte Verknüpfung von Präsenzphasen und digitalen Lernangeboten, wird positiv erlebt. 

Lernen in einer Kleingruppe, das individuelle regelmässige Lerncoaching und die Tatsache, dass sich Unterricht und Lernen in den umfunktionierten ehemaligen Internatsräumen abspielen, finden ebenso Anklang. Fachinputs in der neuen Machbar, lernen am eigenen Schreibtisch in einem ehemaligen WG-Zimmer, Gruppenarbeit in der umfunktionierten Küche, Lerncoaching auf dem Sofa im «Chill-Raum»: Die Lernorte sind ebenso vielfältig wie die Lernformen. 

Was verbindet IndiGym mit dem regulären Gymnasium am Muristalden? 

In Bezug auf einen der wesentlichen Leitgedanken des Gymnasiums Muristalden – die Menschen stärken, die Zukunft gestalten – geht IndiGym konsequent einen Schritt weiter. Neben den gleich hohen fachlichen Anforderungen erhoffen wir uns, durch die stärker individualisierten Lernformen und durch Lerncoaching noch besser Selbstkompetenz, selbstbestimmtes Lernen, Übernahme von Verantwortung und Resilienz fördern zu können. 

IndiGym fokussiert sich stark auf selbstorganisiertes Lernen. Was müssen Lernende dabei besonders beachten? 

Ich könnte mir vorstellen, dass aufgrund der reduzierten darbietenden Unterrichtszeit zunächst das Gefühl aufkommt, die grosse Freiheit und Freizeit sei angebrochen. Aber genau wie im regulären Gymnasium auch müssen die IndiGym-Lernenden mit einer 40-Stunden-Woche planen. Mit Unterstützung des Lerncoachings geht es hierbei vor allem darum, sich selbst gegenüber ehrlich zu sein, sich arbeitstechnisch sinnvoll zu organisieren, die Lernfortschritte zu dokumentieren, sich aktiv Hilfe zu holen und Fragen zeitnah zu klären. Die Vermittlung von Lern- und Arbeitstechniken, von IT-Kenntnissen, aber auch von Techniken rund um den Erwerb und Erhalt mentaler Gesundheit bildet – wie im regulären Lehrgang auch – einen wichtigen Bestandteil des IndiGym-1-Lehrgangs. 

Stichwort gesellschaftliches Engagement im Stundenplan: Wie wird dies in der Praxis umgesetzt? 

Im Konzept des IndiGym findet der soziale Austausch in einem reduzierten Masse statt, begründet durch das Lernen in Kleingruppen, den hohen Anteil an selbstorganisierter Lernzeit und der Tatsache, dass nur wenig Integration in die Regelklassen stattfindet. Das gesellschaftliche Engagement soll hier einen Gegenpol schaffen: sich sozial engagieren, sich sozialen Dynamiken stellen, sich sozial exponieren, sozialen Umgang lernen und weiter verfeinern. Das soziale Engagement wird nach den ersten drei Phasen des IndiGym eingeführt, individuell abgesprochen und kann sowohl punktuell als auch regelmässig erfolgen. Die konkreten Formen der Umsetzung sind vielfältig: über Nachhilfe geben, sich in einem Projekt für Benachteiligte engagieren bis hin zu einem Sozialpraktikum in den Ferien.  

Nebst den individualisierten Angeboten ist auch der Klassenzusammenhalt sehr wichtig, gerade für Jugendliche. Wie wird dieser gefördert? 

Unsere Lehrpersonen bringen langjährige Erfahrungen im Bereich Klassenführung mit: Wichtig ist es, die Lernenden erst einmal ankommen zu lassen, sich gegenseitig als Menschen kennenzulernen und zu respektieren – und, wo nötig, gezielt die Klassendynamik im Positiven zu unterstützen. Dazu gehören Mini-Methoden wie gemeinsame Rituale, Gruppenarbeiten, gemeinsame Chats, das Ausgestalten der IndiGym-Räumlichkeiten, aber auch grössere Projekte wie die gemeinsame Gestaltung des Elternabends oder des Klassentages. Wir erhoffen uns durch den hohen Anteil an Selbstlernzeit zudem eine verstärkte Bildung von Lerngruppen und unterstützen dies gezielt durch betreute Gruppenarbeitsräume an verschiedenen Orten im Gebäude. 

Wie unterscheidet sich die Aufgabe der Lehrperson an einer IndiGym-Klasse im Vergleich zu den bisherigen Gym-Klassen  

«Bündeln» und «Fokussieren» sind wesentliche Stichworte für das Unterrichten im Rahmen dieses Ausbildungsganges: Reduktion auf das Wesentliche in Bezug auf den Inhalt, Vermittlung von Methoden und Kompetenzen sowie Fokussierung auf die Fragen der Lernenden und Rückmeldungen zu ihrem Lernfortschritt.  

In Bezug auf das Material bereitet die Lehrperson den Unterrichtsstoff so auf, dass er selbständig und dem Anforderungsniveau des Lehrplans von den Lernenden erarbeitet werden kann. Dies erfordert auch, dass die Lehrpersonen Lösungen und Modellantworten zur Verfügung stellen, verstärkt Zwischenergebnisse einfordern, um den Lernfortschritt zu beurteilen, sowie die Lernziele zu Beginn jeder Phase kommunizieren.