Konzept

 

Eckdaten

Dauer 4 Jahre (plus/minus 1 Jahr)
Klasse 20 Kinder
Lehrpersonen 1 Lehrperson für Kindergarten
  1 Lehrperson für Unterstufe
Pensum 150% Teamteaching
Unterricht Lehrplan Kindergarten
  Lehrplan Volksschule
  Didaktische Grundsätze Basisstufe Muristalden
Aufnahme 2 Jahre vor dem gesetzlichen Schuleintrittsalter
Übertritt Jährlich in 3. Klasse
Besonderheit Musischer Schwerpunkt
  Tagesschule
  Lehrpersonen übernehmen Betreuungsarbeiten in den Strukturbereichen «Offene Ankunftszeit» und «Mittagstisch»

 

Jedem Kind sein eigenes Lerntempo - Das Konzept der Basisstufe des Campus Muristalden

 

Jedes Jahr können rund 15% der Kindergartenkinder nicht altersgemäss eingeschult werden. Sie verbleiben ein weiteres Jahr im Kindergarten oder werden in Sonderklassen eingeschult. Auf der anderen Seite steigt die Zahl der Kinder, die bereits im Kindergarten lesen und rechnen können. Mit der Einführung einer Basisstufe will der Campus Muristalden das Problem der Unter- und Überforderung beim Übergang vom Kindergarten zur Schule entschärfen.

 

Nicht alle Kinder vermögen die Herausforderungen des Schuleintritts zu meistern. Für eine jährlich steigende Zahl von Kindern und ihre Eltern stellt der Übertritt vom Kindergarten zur Schule ein ernsthaftes Problem dar. Für sie müssen Alternativen zum regulären Eintritt in die erste Klasse gesucht werden: Entweder besuchen sie den Kindergarten ein weiteres Jahr, oder sie werden in die Kleinklasse eingeschult, in welcher der Unterrichtsstoff des ersten Schuljahres in zwei Jahren behandelt wird. Dem Kind wird nicht entgehen, dass es ein «Spezialfall» ist, was für sein Selbstvertrauen und den weiteren Verlauf seiner schulischen Karriere eine Belastung darstellt.

 

Kinder nicht künstlich vom Lernen abhalten

Anders stellt sich das Problem des Schuleintritts für jene Kinder, die bereits im Kindergartenalter lesen und rechnen können. 5 von 20 Kindern treten nämlich, wie eine Studie von Dr. Margrit Stamm zeigt, mit deutlich höheren Sprach- und Rechenkompetenzen in die Schule ein, als dies im Lehrplan der ersten Klasse vorgesehen ist. Das bedeutet für die Lehrpersonen, dass sie in ihrer Klasse Kinder haben, die mit dem Erwerb der Kulturtechniken Lesen, Schreiben, Rechnen erst anfangen, während andere darin bereits sehr geübt sind oder zumindest Teilkenntnisse besitzen. Kinder, die sich langweilen und deshalb den Unterricht stören, sind oft die Folge dieser Unterforderungen. Wissenschafter sind sich deshalb einig: Die Neugierde und das Bedürfnis der Kinder zu lernen und anzuwenden sollte nicht künstlich gebremst werden. Die Einschränkung, einen angemessenen Umgang mit den Kulturtechniken erst in der Schule zu gestatten, gilt heute als überholt. Das Zurückbinden von «Spielen und Kreativität» auf den Kindergarten und «Lernen und Leistung» auf die Schulstufe kommt einer künstliche Trennung gleich, die der Entwicklung des Kindes nicht entspricht, weil sich Kinder fliessend zwischen diesen zwei Ebenen hin- und her bewegen.

 

Basisstufe mit neuer Lernkultur

Das Problem erkannt hat auch die schweizerische Erziehungsdirektorenkonferenz EDK. Ausgehend von einer Prospektive empfiehlt sie den Kantonen eine Basisstufe einzuführen, die von ihrer Struktur und Lernkultur her die anstehenden Probleme im Übergang vom Kindergarten zur Schule entschärfen soll. Die Basisstufe verbindet den Kindergarten und die erste und zweite Primarklasse zu einer gemeinsamen Stufe, wo Spielen und Lernen fliessend ineinander übergehen. In einem speziell gestalteten pädagogischen Umfeld sollen hier Kinder im Alter von fünf bis acht Jahren jene Aufgaben und Anforderungen erhalten, die ihrem Entwicklungsstand und ihren Interessen entsprechen. Mit diesem Konzept liegt der Basisstufe ein neues Bildungsverständnis zugrunde, das nicht vom Alter, sondern von den Voraussetzungen der Kinder ausgeht: Es führt vom lernenden Spielen zum spielenden Lernen bei individuellen Lernwegen und individuellem Einstieg in die Kulturtechniken. Je nach Begabung und Lerntempo durchläuft ein Kind die Stufe schneller oder langsamer. Der Unterricht wird von einer Lehrerin für Kindergarten und einer für Unterstufe gemeinsam erteilt. Das Teamteaching erleichtert es ihnen, den Unterricht individuell zu gestalten.

 

Muristalden startet Pilotprojekt

In verschiedenen Kantonen setzen sich die Erziehungsbehörden zur Zeit mit dem Thema Basisstufe auseinander oder prüfen deren Einführung. Die Phase der «Prüfung» und «Auseinandersetzung» bereits abgeschlossen hat die Berner Schule Campus Muristalden. Nach einer intensiven Planungs- und Vorbereitungsphase integriert sie als eine der ersten Schulen in der Schweiz die Basisstufe in ihr Volksschulangebot. Das Pilotprojekt basiert auf den Empfehlungen der EDK und startet auf Beginn des neuen Schuljahrs.

An der Basisstufe Muristalden wird nach den Zielsetzungen des Lehrplans Kindergarten und des Lehrplans für die Volksschule des Kantons Bern gearbeitet. Für den Abschluss der Basisstufe werden Treffpunkte formuliert. Sie bilden die Entscheidungsgrundlage für den Übertritt in die dritte Klasse. Nicht das Alter, sondern der Entwicklungsstand des Kindes entscheidet also über den Zeitpunkt des Übertrittes.

 

Ein soziales Übungsfeld

Die fliessenden Übergänge vom lernenden Spielen zum spielenden Lernen dürfen sich aber nicht nur auf die Frage der Kulturtechniken beschränken. Einen wichtigen Stellenwert räumt der Campus Muristalden deshalb den musischen Schwerpunkten in der Bildungsarbeit ein. So wird bewusst ein Gleichgewicht zwischen den intellektuellen und den musischen Fähigkeiten angestrebt und Spiel, Musik, Bewegung und Gestalten werden während der ganzen Dauer der Basisstufe in den Unterricht integriert und kontinuierlich gefördert.

Als besonderes Element hebt die Schule schliesslich die altersgemischte Gruppe der Basisstufe hervor. Die verschiedenen Altersstufungen erlauben es dem Kind nämlich, sich, unabhängig von seinem Alter, jener Gruppierung anzuschliessen, die seinem Entwicklungsstand entspricht. Die Altersdurchmischung in der Basisstufe bietet den Kindern zudem ein breites soziales Übungsfeld an, wo sie den Umgang mit Gleichaltrigen, Jüngeren und Älteren lernen und soziale Kompetenzen entwickeln können. Die Vorteile einer altersgemischten Gruppe hat auch die Forschung erkannt. So kommt Beat Wirz, Projektbegleiter der Studie «Frühlesen und Frührechnen als soziale Tatsachen» zum Schluss, dass sich die bisherige Annahme, in altersgleichen Lerngruppen würden alle Schülerinnen und Schüler die annähernd gleichen Leistungsfähigkeiten und Lernvoraussetzungen besitzen, als «folgenschwerer Irrtum» erwiesen habe. «Altersgemischte Lerngruppen eignen sich besser als die herkömmlichen Jahrgangsklassen für eine Unterrichtsgestaltung, welche Unter- und Überforderung vermeidet», hält Wirz in einem kürzlich erschienen Forschungsbericht fest.

 

Konzept Tagesschule

Als Tagesschule umfasst die Basisstufe Muristalden nebst dem Unterricht auch fakultative Zusatz- und Betreuungsangebote. Die Zusatzangebote finden im Schulareal in der unterrichtsfreien Zeit statt. Die Angebote finden in Kleingruppen statt, wo in Form von Ateliers verschiedene Aktivitäten wie Sport, Werken zur Auswahl stehen. Diese Zusatzangebote werden durch externe Fachpersonen unterrichtet. Im Leistungsangebot der Tagesschule inbegriffen sind nebst dem Mittagstisch auch eine Betreuung der Kinder in der unterrichtfreien Zeit (inklusive Aufgabenhilfe).

 

Weitere Informationen zum Konzept, zu den Zielen, pädagogischen Grundsätzen und Anliegen der Basisstufe Muristalden finden Sie in der Infomappe Basisstufe (pdf 76.9kb).